Im Treppenaufgang des neuen Stadtmuseum hängt das Bild „Lechschleife“ von Johann Mutter. Er malte dieses Bild 1965 in Öl auf Platte. Zahnarzt Dr. Georg Bayer schenkte es dem Neuen Stadtmuseum.
Das Bild zeigt eine Lechschleife, die aber zunächst sehr schwer zu erfassen ist und eine Ähnlichkeit zu einem Bild „Lechlandschaft“ aufweist, das vermutlich an der selben Stelle entstand und wesentlich deutlichere Konturen aufweist. Während letzteres ein fertiges ausgereiftes Bild darstellt, dürfte es sich bei der Lechschleife um eine Studie oder Ölskizze handeln, bei der Mutter mit den Farben und der Komposition für spätere Lechschleifenbilder experimentierte, denn das Motiv faszinierte ihn und wurde immer wieder in neuen Variationen gemalt. Im Vordergrund ist der Lech als silbern schimmerndes Band mit breiten schraffierenden Pinselstrich abgebildet. Quadratische, in zarten farblichen Abstufungen horizontal und diagonal angebrachten Strukturen sowie die Farbpalette erinnern an Landschaften Paul Cézannes, für die dieser anfangs nur sarkastische und ablehnende Kritik sowie Hohn uns Spott erntete.Das gegenüberliegende Ufer grenzt angeometrisch geformte Flächen, die einen nicht klar endenden Uferbereich mit zwei schwungvollen, parallel geführten Linien markieren. Schemenhaft wird das Bild links durch eine Architektur begrenzt, während im rechten Vordergrund zwei Bäume die Funktion eines Repoussoirs übernehmen und dem Bild Raum und Tiefe geben. Der Hintergrund wird durch das Lechhochufer abgeschlossen.
Johann Mutter wurde am 7. März 1902 in Geretshausen geboren und besuchte dort die Volks- und Feiertagsschule. Seine malerische Laufbahn begann 1926 an einer privaten Malschule in München. Von 1927 bis 1934 studierte er an der Akademie der Bildenden Künste bei den Professoren Groeber und Carl Caspar, der später von den Nationalsozialisten als „entartet“ eingestuft wurde. Beim Wettbewerb „Mensch und Tier“ an der Akademie wurde er 1931 belobigt. 1933 beteiligte er sich an der Gemäldeausstellung im Landsberger Rathaus. Die Stadt Nürnberg verlieh ihm 1934 den „Albrecht-Dürer-Preis für Grafik“, der mit einem Stipendium in Höhe von 1000 Reichsmark verbunden war. Im selben Jahr zog er nach Landsberg, wo er im Hofgraben in einer aufgelassenen Schreinerei Atelier und Unterkunft fand. Er wurde Gründungsmitglied der Künstlergilde und war 1936 neben Eduard ThönyPreisträger bei der Sommerausstellung der Künstlergilde. 1947 organisierte er zusammen mit der Stadt Landsberg die Ausstellung „Graphische Kunst des XX. Jahrhunderts“. Er starb am 27. Oktober 1974 nach schwerer Krankheit.
Johann Mutter blieb zeitlebens der Lechstadt treu. Seine frühe Grafik, insbesondere seine Lithografien erinnern durch ihren sicheren Strich und ihre vehemente Schwarzweißwirkung sowie durch die dadurch entstandene Aussagekraft an Edward Munch oder Alfred Kubin. Seine expressive Malerei nähert sich Max Beckmann. Sein Lieblingsmotiv, der Lech, brachte ihm den Namen „Lechmaler“ ein. Er malte unzählige Motive Landsbergs; seiner bäuerlichen Herkunft blieb er dennoch stets verpflichtet. In seinem Werk tauchten immer wieder ländliche Motive auf. Mutter war auch ein hervorragender und begeisterter Fotograf und hatte während des Zweiten Weltkriegs eine Dokumentation über durch Krieg bedrohte Kunstwerke anzufertigen. Diese Dokumentation umfasste Glasfenster der Landsberger Stadtpfarrkirche, aber auch in Colmar den Isenheimer Altar von Matthias Grünewald, Glasfenster vom Freiburger Münster und dem Hochaltar des Meisters HL (Hans Loy) im Breisacher Münster. Der zutiefst religiöse Mutter war zeitlebens ein Suchender und Grübelnder, mit seinen Gedanken Ringender, die Philosophie stand ihm näher als die Redseligkeit. Er beschäftigte sich mit Jaspers und Heidegger sowie mit der wissenschaftlichen Welt des französischen Jesuitenpaters Teilhard de Chardin.
Der Freundeskreis der städtischen Museen stellt in einer Artikelfolge im Landsberger Tageblatt das Neue Stadtmuseum und dessen Exponate vor. Den Landsbergern sowie den Interessierten aus der Region sollen damit das Museum und dessen stets wachsenden Sammlungen vorgestellt werden. An dieser Stelle wird auf die Schriftenreihe „Kunstgeschichtliches aus Landsberg am Lech“ und auf die „Landsberger Geschichtsblätter“ des Historischen Vereins hingewiesen, in denen einzelne Sammlungen und Ausstellungsstücke wissenschaftlich aufbereitet werden. In der Ausstellung „Eine Kunstgeschichte. Regionale Künstlerverbände zwischen Ammersee und Lech“, die am 28. Juni im Neuen Stadtmuseum beginnt, werden weitere Werke von Johann Mutter zu sehen sein.